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Infos zum Arbeitsmarkt

Foto: geralt

 Die Bundesagentur für Arbeit hat ihren neuen Arbeitsmarktbericht für Akademikerinnen und Akademiker veröffentlicht. Dieser Artikel fasst die Ergebnisse des Berichts zusammen und zeigt wichtige Aspekte zum Thema Berufseinstieg für Juristen auf.

 

Arbeitsmarktbericht 2016 der Bundesagentur für Arbeit

Die Lage am Arbeitsmarkt für Juristen wird von der Bundesagentur insgesamt als positiv bewertet. Dabei sei vor allem die in den letzten Jahren stetig gewachsene Erwerbstätigkeit, insbesondere im Bereich der Rechtsvertretung und -beratung hervorzuheben. Dabei fiel auf, dass ein erheblicher Teil der Absolventen nicht mit juristischen Aufgabenstellungen betraut war, sondern in anderen Berufsfeldern (z.B. als Manager, Berater oder Sachbearbeiter) arbeitet.

Des Weiteren zeigt der Bericht, dass sich die Arbeitslosigkeit auf einem sehr geringen Niveau – deutlich unter drei Prozent – befindet. Im Vergleich zu 2003 sei die Arbeitslosenzahl sogar um ein gutes Drittel niedriger ausgefallen.

Jedoch deuten die neuen Zahlen darauf hin, dass der Einstieg in den Beruf nicht selten mit Schwierigkeiten verbunden ist. Junge Menschen machen demnach einen sehr hohen Anteil der arbeitslosen Juristen aus. Laut Statistik waren 2015 fast 60 Prozent der arbeitslosen Juristen noch keine 35 Jahre alt.

 

“Generation Y” / “Work-Life-Balance”

Die Generation der ab 1980 geborenen Nachwuchsjuristen stellt viele Arbeitgeber vor neue Herausforderungen. Die sogenannte „Generation Y“ kennt ihren Wert, ist exzellent informiert und wählt Arbeitgeber sehr gezielt aus. Im Zentrum der Überlegungen liegt dabei meist eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Heute sind Gehalt, Führungsverantwortung und Karriereaussichten (z.B. Perspektiven auf Partnerschaften in Kanzleien) nicht mehr so wichtig. Vielmehr sucht die Generation nach Sinnerfüllung, Chancengleichheit und einem guten Betriebsklima.

Diese neue Generation von Bewerbern trifft in den Kanzleien auf eine völlig andere Generation von Partneranwälten, die den Forderungen nach besserer Work-Life-Balance und mehr Flexibilität oftmals überrascht gegenüberstehen. In Zukunft werden beide Generationen Zugeständnisse machen müssen, um miteinander auszukommen. Es wird interessant zu beobachten sein, wie der Arbeitsmarkt auf diesen Kulturwandel reagieren wird, da weiterhin hochqualifizierte Talente gebraucht werden.

 

Ohne geht’s nicht - Fremdsprachen und Soft Skills

Für den Berufseinstieg weiterhin unverzichtbar, sind Kompetenzen in Fremdsprachen, insbesondere Englisch. Ohne weitreichende Kenntnisse kann man in Bewerbungsverfahren nur schwer überzeugen. Zur Verbesserung dieser Kompetenzen bietet die Fakultät ein weites Spektrum an Möglichkeiten an. Unter anderem können Studierende an fremdsprachigen Vorlesungen und Moot Courts teilnehmen. Des Weiteren wurde die studienbegleitende Zusatzausbildung im Recht der Vereinigten Staaten von Amerika „Certificate United States‘ Law (CUSL)“ eingeführt.

Zusätzlich haben internationale Studien belegt, dass der berufliche Erfolg nur zu 50 Prozent auf Fachkompetenz beruht; die andere Hälfte hängt von Soft Skills / Schlüsselqualifikationen ab.

Zu Themen, wie z.B. Kommunikation, Verhandlungsführung oder Zeugenvernehmung etc. bietet das CENTRAL spezielle Seminare für Juristen an. Vor dem Hintergrund der aktuellen Studie, sollte der Besuch von möglichst vielen dieser Veranstaltungen angestrebt werden, um diese Fähigkeiten schon frühzeitig im Studium zu erlernen. Die Veranstaltungen des CENTRAL stehen übrigens auch Referendaren und Berufstätigen offen.

Eine weitere Möglichkeit, um Erfahrungen für den Berufseinstieg zu sammeln, bieten simulierte Gerichtsverhandlungen, sogenannte „Moot Courts“. Weitere Informationen zum Thema Moot Courts finden sie hier.

 

Trend zum zusätzlichen LL.M.

Der Master of Laws (LL.M.) als international anerkannter Postgraduierten-Abschluss wird bei Absolventen der Rechtswissenschaften immer beliebter. Viele sehen ihn aktuell als eine ideale Möglichkeit, um ihre Karriere anzukurbeln. In vielen Kanzleien wird der LL.M. momentan sogar als alternative Zusatzqualifikation neben dem Doktortitel anerkannt. Zum einen kann durch den oftmals im internationalen Kontext erarbeiteten Master ein Nachweis über Fremdsprachenkompetenzen belegt werden und zum anderen machen die speziellen Rechtskenntnisse gegenüber anderen Berufseinsteigern einen deutlichen Zusatz an Wissen aus. Im Hinblick auf die steigende Zahl an Prädikatsexamina kann es nicht schaden, wenn man sich mit einem zusätzlichen Abschluss von der Konkurrenz abhebt.

Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, wurden vielerorts auch Masterstudiengänge ohne internationale Bezüge entwickelt. Die hiesige Rechtswissenschaftliche Fakultät bietet beispielsweise LL.M.-Studiengänge im Wirtschafts- und Unternehmenssteuerrecht an. Interessierte können sich über die www.hochschulkompass.de einen ersten Überblick verschaffen.

 

Gehälterentwicklung

Eines vorweg: Auch 2016 können Juristen mit hohen Gehältern rechnen. Im Schnitt liegen die Einstiegsgehälter der Top-Kanzleien aktuell bei etwa 95.000 Euro.

Man sollte jedoch beachten, dass solche hohen Summen nur an Kandidaten gezahlt werden, die auch überragende Qualifikationen mitbringen. Zudem können beträchtliche Unterschiede zwischen den Gehältern einer Kanzlei aus der Marktspitze und z.B. einer kleineren Boutique bestehen (je nach Qualifikation bewegen sich die Gehälter dort meist in einem Rahmen zwischen 40.000 und 60.000 Euro).

Bei Unternehmen, Behörden und Beratungsgesellschaften liegen die Einstiegsgehälter üblicherweise in einem deutlich niedrigeren Bereich. Jedoch ist zu beobachten, dass die Gehälter der Inhouse-Juristen in den vergangenen Jahren durchschnittlich stärker gestiegen sind, als bei Kanzleien. Syndizi ohne Führungsverantwortung konnten damit, laut einer Umfrage des Magazins JUVE Rechtsmarkt, im Schnitt etwa 75.000 Euro verdienen.

 

Benjamin Schöppenthau